„Meine Freude an der Natur weiterzugeben ist für mich das Schönste“

Brettener Nabu-Gründer Hans-Otto Gässler zum Ehrenvorsitzen-den ernannt / Nabu-Virus im Blut

Ehre wem Ehre gebührt. Manche Lebenswerke werden postum gewürdigt, andere Geehrte erleben die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung. So auch Hans-Otto Gässler: 41 Jahre nachdem er die Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu) gegründet hat, wurde er zum ersten Ehrenvorsitzenden des Nabu Bretten ernannt.

 

Schon immer habe er ein Interesse für die Zusammenhänge und Abläufe in der Natur gehabt, erzählt Hans-Otto Gässler. Das gilt natürlich nur für die Zeit, an die er sich aktiv zurückerinnern kann. „Nach der Schule habe ich stets mein Fernglas eingepackt und bin mit meinem Fahrrad in den Gondelsheimer Wald gefahren, um die Tiere dort zu beobachten“, so der heute 70-jährige.

 

Von seinem damaligen Französischlehrer, Harry Krieger, übernahm Gässler die Leidenschaft für die Naturfotografie. „Allein die Art und Weise wie er Bilder gemacht hat, hat mich fasziniert“, sagt er, und seine Augen leuchten auf, als wäre er noch immer der Jugendliche von damals, der seinem Lehrer voller Begeisterung zusieht: „Er saß da und hat gewartet, dass sich der Vogel genau so hinsetzt, wie er es sich vorgestellt hat“, erinnert sich Gässler.

Als unser Hans-Otto diesen Eisvogel abgelichtet hat, war er so begeistert, dass er alle mitgebrachten Dias aufgebraucht hat. Nachdem er sich neue besorgt hatte, setzte er sich wiedern auf die Lauer und schoss unter anderen dieses Bild. Jedes Mal, wenn er einen Eisvogel sieht, erinnert er sich an die ruhige und entspannte Atmosphäre, die bei dem Foto-Shooting herrschte.

Seit diesem Moment ist genau das der Reiz, den die Naturfotografie für ihn ausmacht. Für sein neu entdecktes Hobby sagte Gässler damals sogar seine bevorstehende Jägerprüfung ab. „Ich schieße eben lieber mit der Kamera auf Tiere, und das habe ich bis heute nicht bereut“.

 

Während seines Studiums an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe lernte Hans-Otto Gässler das „DBV-Urgestein“ Klaus Kußmaul kennen. Damals hieß der Nabu noch Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV). Nach mehreren gemeinsamen Entenzählungen trat Gässler im September 1969 in den DBV ein.

 

Gut sechs Jahre später, am 1.1.1976, gründete der Vogelfan mit 28 Jahren, sechs Mitgliedern und der Zustimmung seiner Ehefrau die DBV-Ortsgruppe in Bretten. 24 Jahre lang leitete er diese als erster Vorsitzender. „Dabei habe ich am Anfang gar keine Ahnung gehabt, was man als Vorsitzender machen muss“, sagt Gässler.

 

Bewegt hat er während seiner Ehrenamtszeit einiges. Seine größten Errungenschaften waren dabei vier Schutzgebiete rund um Bretten, für die er erfolgreich gekämpft hat. Dagegen wirken die 50 Vogelnistkästen, die er noch heute mit aller Liebe betreut, lediglich wie kleine Puzzleteile. Doch allein mit dem Turmfalkenkasten an der Schillerschule erreichen er und seine Mitstreiter ohne viel Arbeit immer noch mehr als man denken mag: auch den menschlichen Nachwuchs für die Tierwelt zu sensibilisieren.

 

Zu Ende seiner „Amtszeit“ wollte man ihn zwar noch überreden ein weiteres Jahr anzuhängen, da ihm somit die Landesehrennadel zugestanden hätte. Doch Hans-Otto Gässler ist in dieser Hinsicht kein Preissammler. Er freute sich weitaus mehr auf die bevorstehende Geburt seines Enkels und auf zusätzliche Zeit für seine Naturfotografie.

Neben heimischen Hecken und Sträuchern hat der Hobby-Fotograf Wildblumenmischungen in seinem Garten ausgebracht um Insekten und Vögel vor seine Linse zu locken. Auch die Winterfütterung nutzt Hans-Otto Gässler zum Fotografieren.

 

Auch für Jägerzeitschriften hat er geschossen, allerdings nur Fotos - die Tiere durften weiterleben. Einige dieser Bilder hängen wie Jagdtrophäen an den Wänden seines Arbeitszimmers. Doch das sind nur die ausgesuchten Fotos. In vier Schränken bewahrt der Hobbyfotograf seine Sammlung von über 14.000 Dias auf, mit der er zur Gründung der Ortsgruppe angefangen hat. Mit ihnen konnte er seine Vorträge halten und so immer mehr Mitglieder begeistern. Mit den Vorträgen gibt er seine Freude an der Natur an seine Zuschauer weiter: „Das ist für mich das Schönste, auch heute noch“, sagt Gässler mit vor Freude strahlenden Augen.

 

In ganz Europa nimmt er seine Bilder auf, doch: „es gibt noch einige Tiere und Pflanzen, die ich fotografieren will“, so Gässler. Sein Herz hängt an der Analog-Fotografie. „Das ist ein Stück Ehrlichkeit“. Denn analog könne man die Situation nur so festhalten wie sie an dem Tag war. Dennoch besitzt auch er eine Digitalkamera.

 

Dass Hans-Otto Gässler den Natur- und Nabu-Virus in sich trägt, ist offensichtlich. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen, auf die ich mich - und umgekehrt - die sich auf mich verlassen können“. Aus diesem Grund hat er noch 2004 den Vorsitz im Nabu-Kreisverband übernommen. Als Beisitzer ist er weiterhin im Brettener Vorstand vertreten und hilft auf der Streuobstwiese aus. „Und das mache ich auch noch so lange ich kann“, sagt Gässler. Nach einer kleinen Pause fügt er hinzu: „Mein Wunsch für den NABU Bretten ist einfach: Wir haben eine Reihe kundiger und empathischer Mitglieder, die sich sachlich und kenntnisreich für den Erhalt unserer heimatlichen Natur und Umwelt engagieren, möge es weiterhin so bleiben“.

Text und Bilder: Beatrix Drescher

Bilder Eisvogel: Hans-Otto Gässler

Erster Vorsitzender Norbert Fleischer übergibt die Ehrenurkunde an Hans-Otto Gässler. Foto: Nabu