Rebhuhn: Schutz zeigt Wirkung

Nicht immer können bei einem „Vogel des Jahres“ brandneue Bestandszahlen genannt, Schutzmaßnahmen umgesetzt und deren Effektivität nachgewiesen werden. Das Rebhuhn, der Jahresvogel 2026 macht da eine Ausnahme und Hoffnung, dass nach massiven Verlusten eine Trendumkehr möglich ist.

In Europa haben Feldvögel in den letzten 40 Jahren mit minus 60 Prozent am stärksten abgenommen, das Rebhuhn in Deutschland um minus 80 Prozent. Aktuelle Erhebungen deuten an, dass sich die Bestände des Hühnervogels und Bodenbrüters zumindest regional stabilisieren lassen. Hunderte Freiwillige kartierten in den letzten Jahren in der Balzzeit im Februar und März in ausgewählten Gebieten und 2024 und 2025 bundesweit. Der Bestand gilt mit ca. 52300 bis 92700 Brutpaaren als weitgehend stabil, wobei sich „gute“ Vorkommen in wenigen Gebieten in Niedersachsen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt konzentrieren. Lücken gibt es im Osten und Südwesten der Republik. In zwölf Projektgebieten, in denen gezielter Habitatschutz bereits praktiziert wird, gab es erfreuliche Entwicklungen mit mehr Vögeln und Nachwuchs.

In Baden-Württemberg befindet das Projektgebiet im Neckartal mit Schwerpunkten bei Tübingen und Fellbach. Dort lag die Dichte mit 0,86 Nachweisen pro 100 Hektar Agrarfläche unter den bundesweiten (2,09) und über den landesweiten (0,62) Werten. In vielen Regionen des Landes ist das Rebhuhn seit Jahren verschwunden.*

Maßnahmen zur Aufwertung der Feldflur umfassen die Reduktion von Pestiziden und Dünger, um Ackerwildkräuter zu fördern und damit die Insekten, die unerlässliche Nahrung für die Küken sind. Deckung und Brutplätze bieten Hecken und nicht sofort umgebrochene Stoppelfelder. Entscheidend sind Blühstreifen und -flächen in ausreichender Ausdehnung und unterschiedlichen Wuchsstadien, zudem Brachflächen, spät gemähtes Grünland, Lichtäcker und naturnahe Raine und Wege. Solche Maßnahmen werden seit Jahren bundesweit mit Partnern aus Landwirtschaft, Jagd, Kommunen und Naturschutz in zwölf Projektgebieten realisiert und zeigen, wie und dass Artenschutz in der Fläche gelingen kann. Das Rebhuhn steht als Symboltier für die Artenvielfalt auf Agrarflächen und ist Gradmesser für den Erfolg der initiierten Maßnahmen. Zusätzlich profitiert eine Vielzahl anderer Arten und von deren Ökosystemleistungen letztendlich auch der Mensch. Was in den Projektgebieten funktioniert, müsste auf drei bis sieben Prozent der Agrarflächen umgesetzt werden, um dem Rebhuhn eine Rückkehr in der Fläche zu ermöglichen.

Stefan Bosch
 

Link: https://www.rebhuhn-retten.de/

* Regionale Ergänzung: Der Naturpark Stromberg-Heuchelberg und der östliche Enzkreis gelten derzeit als weitgehend rebhuhnfrei.