Laue Abende mit dem bezaubernden Lichtertanz der Glühwürmchen sind der gelungene Abschluss eines Hochsommertages. Bei den Glühwürmchen handelt es sich um den nur einen Zentimeter großen Kleinen Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Da er nur jetzt im Juni und Juli zu entdecken ist, wird er auch Johanniskäfer genannt. Um die gaukelnden Lichter im Dunkeln zu sehen, braucht es drei Voraussetzungen: Die Leuchtkäfer fliegen an windstillen, warmen Abenden ab Sonnenuntergang bis Mitternacht. Günstig sind eher feuchte Lebensräume wie der Waldrand, naturnahe Wiesen mit hohem Gras, Gebüsche oder Gewässerufer. Und stockdunkel muss es sein. Nächtliches Kunstlicht stört die Tiere.
Alle drei in Deutschland heimischen Leuchtkäferarten leuchten. Aber die Männchen des Kleinen Leuchtkäfers sind die einzigen nachaktiven Tiere, die fliegen und leuchten. Sonst senden nur die flugunfähigen Weibchen Lichtsignale aus, um einen Partner anzulocken. Leuchtkäfer haben am Körper weiße Bereiche, die lichtdurchlässig sind und reflektieren. Licht produzieren sie in einem speziellen Leuchtorgan mit Hilfe der Biolumineszenz, einer biochemischen Reaktion, die im Gegensatz zu unseren Lampen Energie hocheffektiv in Licht und kaum in Wärme umwandelt. Biolumineszenz benutzen neben Insekten unter anderem auch Tiefseefische, Quallen, Pilze, Einzeller und Bakterien.
Sehr romantisch endet das nächtliche glühende Rendez-vous nicht. Nach einem ohnehin nur wenige Tage dauernden Käferleben sterben die Männchen nach der Paarung und die Weibchen nach der Eiablage. Im August schlüpfen die Larven. Sie leuchten ebenfalls und ernähren sich von Schnecken und Regenwürmern. Nach über drei bis vier Jahren schlüpfen die Käfer.
Die Chancen, Glühwürmchen zu entdecken sind geringer geworden, da die genannten Rahmenbedingungen für die Käfer oft nicht mehr gegeben sind. Neben Pestiziden und intensiver Mahd mehren sich jüngst die Indizien, dass Lichtverschmutzung weltweit eine relevante Rolle beim Rückgang von Nachtfaltern und Glühwürmchen spielt. Kunstlicht beeinflusst nachweislich ihr Verhalten und beeinträchtigt die Fortpflanzung. Die beliebten Glühwürmchen geben Anlass, unseren Lichtkonsum im privaten und öffentlichen Bereich kritisch zu hinterfragen. Viele nachtaktive Tiere und unsere Gesundheit profitieren von einem verantwortungsvollen Lichtmanagement. Wer die Natur liebt, löscht nachts die Lichter und genießt den Nachthimmel und die Lichterketten der Glühwürmchen.
Dr. Stefan Bosch
Ohne KI recherchiert und formuliert.