Noch nie wurden bundesweit so frühzeitig und so viele Gottesanbeterinnen (Mantis religiosa) gesichtet wie in diesem Jahr. Eine Meldeaktion des Naturschutzbundes (NABU) dokumentiert, wie die Sommerhitze die Fangschrecke begünstigt hat. Hohe Temperaturen im Mai und Juni beschleunigten ihre Entwicklung um zwei bis drei Wochen. Im August erreichten den NABU täglich tausende Sichtungen. Auch in vielen Orten Baden-Württembergs, dem Enzkreis und dem Naturparkgebiet wurde das imposante Insekt gesichtet. Noch bis Ende September ist die Mantis auf der Suche nach Nahrung und Partnern häufiger zu entdecken, nicht nur reglos in der Vegetation, sondern auch in Gärten, an Hauswänden, Fenstern und auf Terrassen. Ihre Größe bis zu acht Zentimetern, die betend gehaltenen Fangbeine und große Facettenaugen machen sie unverwechselbar. Ein grüner oder brauner Körper und die Regungslosigkeit tarnen das Insekt bestens. Gottesanbeterinnen sind zwar beeindruckend aber ungefährlich und weder giftig noch stechfähig.
Lauernd sitzt die Mantis in der Vegetation und wartet auf Insekten und Spinnen, an die sie sich anschleicht, mit den Fangbeinen greift und verspeist. Der Fangschlag läuft in 50 Millisekunden, sechsmal schneller als unser Lidschlag. Als Futter endet auch ein Drittel der Männchen nach der Paarung. Dieser sexuelle Kannibalismus ernährt das Weibchen für die Eiablage. 200 Eier werden in einem Paket an Stängeln abgelegt. Im Mai schlüpfen die Jungen, nach sechs Häutungen finden sich ab Juli ausgewachsene Tiere mit Flügeln, die bis zum ersten Frost aktiv sind.
In den 1980er Jahren waren Vorkommen am Kaiserstuhl eine exotische Rarität, heute ist die Gottesanbeterin weit verbreitet. Bei der Meldeaktion zeichnen sich zwei Verbreitungsareale ab: Im Westen am Rhein mit seinen Nebenflüssen und ein separates Ostareal von Thüringen bis zur Lausitz und nach Berlin. Die wärmeliebenden Tiere stammen im Südwesten aus dem Mittelmeerraum, im Osten aus Tschechien. Da sie nur kurze Strecken fliegen, erweitern sie langsam, aber stetig ihr Areal bis sich irgendwann die beiden Vorkommen vereinen.
Weitere Meldungen sind unter https://nabu-naturgucker-beobachtungen.de willkommen.
Dr. Stefan Bosch
Ohne KI recherchiert und formuliert.