Pünktlich mit den ersten wärmenden Frühlings-Sonnenstrahlen sind sie unterwegs: Schmetterlinge in verschiedenen Farben, Formen und Größen. Sie heißen Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Zitronen- oder Distelfalter. Schmetterlinge gehören biologisch betrachtet zu den Insekten und sind nach den Käfern die zweitreichste Insekten-Ordnung. Trotzdem sind 50 % aller Schmetterlingsarten in Deutschland gefährdet, 2 % sind bereits ausgestorben oder verschollen.
Körperbau von Falter und Raupe
Das Tagpfauenauge ist ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter und wurde 2009 zum Schmetterling des Jahres gewählt.
Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 50 bis 55 Millimetern. Sie haben eine rostrote Flügelgrundfärbung. Das unverkennbare und auffälligste Merkmal sind die, an jeder Vorder- und Hinterflügelspitze gut erkennbaren, schwarz, blau und gelb gefärbten Augenflecken. Die Flügelunterseiten sind fein dunkelgrau und schwarz marmoriert. Die Raupen werden circa 42 Millimeter lang. Sie sind schwarz und weisen am ganzen Körper, außer dem Kopf, zahlreiche feine weiße Punkte und schwarze Dornen auf.
Lebensraum
Das Tagpfauenauge ist in Europa und in Asien bis nach Japan weit verbreitet.Man findet sie bis in einer Höhe von 2500 Metern. Sie kommen in verschiedenen Lebensräumen, wie zum Beispiel in der Nähe von lichten und sonnendurchfluteten Wäldern, aber auch in Parks und Gärten vor.
Zum Überwintern suchen die Falter leicht feuchte und geschützte Winterquartiere, wie zum Beispiel Höhlen, Keller oder Fuchsbaue. Manchmal verirren sie sich auf Dachböden, vertrocknen aber dort wegen Feuchtigkeitsmangel.
Lebenszyklus des Falters
Die Falter fliegen jährlich in zwei Generationen: Die der ersten fliegen von Juni bis August, wobei je nach Wetterlage eine Pause von Juli bis Oktober eingehalten wird, die der zweiten Generation fliegen von August bis Oktober. Nach der Überwinterung können die Falter bereits von März bis Mai beobachtet werden. Männchen des Tagpfauenauges verteidigen nachmittags im Frühjahr und Sommer Territorien in der Nähe von geeigneten Eiablageplätzen. Die Territorialkämpfe werden als eine Art Wettkampf in der Manövrierfähigkeit der Männchen ausgetragen.
Raupennahrung
In Mitteleuropa ernähren sich die Raupen fast ausschließlich von der Großen Brennnessel. Die neuen Triebe von geschnittenen Brennnesseln haben einen höheren Stickstoffgehalt als ungeschnittene und führen deshalb zu schnellerem Wachstum der Raupen und höherem Gewicht der Puppen.
Abschreckung gegen Fressfeinde
Als relativ langlebiger Schmetterling verfügt das Tagpfauenauge über einen sehr wirksamen Schutz gegen seine Fressfeinde. Im Ruhezustand mit zusammengeklappten Flügeln sehen sie eher wie dürre Blätter aus. Bei drohender Gefahr wird bei ihnen ein Bewegungsprogramm ausgelöst, bei dem sie ihre Flügel ruckartig auseinanderklappen, wobei ein zischendes Geräusch entsteht und ihre augenförmige Flügelzeichnung sichtbar werden. Zoologen haben durch vergleichende Versuche herausgefunden, dass bei dieser Abwehrstrategie von dem auf der Flügeloberseite befindlichen Augensignal die größte Abschreckungswirkung gegen Vögel ausgeht. Sie sollen Fressfeinden ein proportional zu den Augen großes Tier vorgaukeln. Gegen Mäuse ist dagegen vor allem das zischende Geräusch wirksam. Als Hauptfeinde des Tagpfauenauges gelten Fliegenarten, die sich parasitär von den Raupen ernähren.
Schmetterlingseier
Die Weibchen legen 50 bis 200 Eier auf der Unterseite der Blätter von sonnig oder höchstens halbschattig stehenden Futterpflanzen ab. Diese Pflanzen müssen luftfeucht und windgeschützt stehen. Die Eier sind ca. einen Millimeter groß, grün und mit acht feinen Längsrippen versehen.
Raupenphase
Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die ca. drei Millimeter langen Raupen. Sie haben eine weiß grünliche Farbe und eine glänzende, schwarze Kopfkapsel. Sie leben gemeinschaftlich und häuten sich schon nach wenigen Tagen zum ersten Mal. Die danach leicht graubraunen Raupen legen ein Gespinst an, das in weiterer Folge die ganze Pflanze überzieht. Nach weiteren drei Häutungen und je nach Anzahl der Tiere mehreren Übersiedelungen auf neue Futterpflanzen sind sie, nach insgesamt etwa drei bis vier Wochen, ausgewachsen und tief schwarz mit weißen Punkten gefärbt.
Puppenphase
Sie zerstreuen sich, um sich an vertrockneten Stängeln zu verpuppen. Sie tun dies, indem sie einige weiße Fäden zu einer kleinen Unterlage zusammenspinnen. Daran hängen sie sich fest und lassen sich leicht gekrümmt hängen. Nach ein bis zwei Tagen platzt die Rückenhaut der Raupen auf und die Puppe erscheint. Die Raupenhaut wird nach oben hin abgestreift und durch kreisende Bewegungen abgeworfen. Zuvor müssen sich die Puppen aber mit der Hinterleibsspitze an der gewebten Unterlage verhaken. Die jungen Puppen haben eine hellgrüne Färbung, die später graugrün oder braun wird. Auch weist die Puppe zwei Reihen glänzender Dornen sowie mehrere metallfarbene Flecken auf.
Schlupf des Falters
Nach ca. zwei Wochen kann man die Flügelzeichnung des fertigen Falters bereits durch die leicht durchsichtige Puppenhülle erkennen. Diese platzt an der Spitze beginnend an vorgegebenen Nähten auf und der Falter kann sich nach unten hin herauszwängen. Vor dem Abflug müssen die schlaffen Flügel durch Blutflüssigkeit aufgepumpt werden und danach trocknen. Sie sind schon früh paarungsbereit und können die nächste Generation hervorbringen.
Lokales Vorkommen
Auch im Kraichgau kommt dort wo man den Brennesseln eine Chance gibt, das Tagpfauenauge noch vor.
Text und Bild: Karl Treffinger